Moto 360 – die ersten 14 Tage

Vorgeschichte

Eine Frage die sich wohl viele stellen werden: Wie komme ich an eine Moto 360? Hat man etwas Geduld, kann man sich seine Moto 360 bei Amazon vorbestellen oder versuchen, am 05. November im Elektrofachmarkt um die Ecke eine zu ergattern.

Wie das mit der Geduld nun mal so ist, der eine hat sie, der andere nicht. Darum hatte ich schon am 09. September bei Amazon vorbestellt, in der Hoffnung sie zum damaligen Releasetermin am 08. Oktober in den Händen halten zu können. Der Amazon-Bestellstatus wurde am Morgen des 07. Oktober auch auf „Lieferung wird vorbereitet“ gesetzt, was so viel bedeutet wie „die Ware wird verpackt und geht in den Versand“. Doch dann berichteten diverse Medien über die Verschiebung des Releasetermins auf den 24. Oktober. Da dies dem Status meiner Bestellung widersprach, kontrollierte ich selbige abends nochmal. Leider wurde der Status wieder auf „Liefertermin unbekannt“ zurückgesetzt. Nach einem Monat Vorfreude war dies natürlich keine gute Nachricht, hatte ich mir doch schon ausgemalt, was man alles mit der Moto 360 tun kann. Sogar das bevorstehende Wochenende wurde freigehalten damit ich genug Zeit zum Einrichten und Ausprobieren gehabt hätte. Die Enttäuschung wurde am nächsten Tag nicht kleiner, als ich von wenigen Auserwählten las, welche von Amazon beliefert wurden. So trug auch der 08. Oktober den Schleier der Terminverschiebung mit sich und ich glaubte schon nicht mehr daran, sie früher in den Händen zu halten.

Dann geschah am 09. Oktober etwas unerwartetes: Der Status meiner Bestellung wurde wieder auf „Lieferung wird vorbereitet“ gesetzt. Es gab also irgendwo im Amazon-Lager noch eine Moto 360, welche sich auf den Weg zu mir machte. Am Freitagabend erhielt ich dann auch die dazugehörige Paketnummer zur Nachverfolgung. Nachdem ich die Nacht von Freitag auf Samstag damit verbrachte die Paketverfolgung fast schon minütlich zu prüfen, kam nach und nach die Sicherheit, dass die Lieferung bis Montag dauern wird.

Am Montag den 13. Oktober war es dann soweit. Der Postbote lieferte ein Amazon-Päckchen mit dem heiß ersehnten Inhalt, meiner Moto 360.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme ist simpel:

  1. Auspacken
  2. Einschalten
  3. Akku laden (für Updates werden >80% vorausgesetzt)
  4. Android Wear – App auf dem Smartphone installieren
  5. Anziehen (links oder rechts)
  6. Pairing durchführen
  7. Update installieren
  8. Konfiguration in der Android Wear App durchführen

Akku – Ladung und Entladung

Von Beginn an schossen sich die Medien auf die Akkulaufzeit ein und vergaben hier keine guten Noten. Kurz gesagt: Das könnt ihr alles vergessen! Warum? Die ersten Tests wurden mit dauerhaft aktiviertem Display und nicht eingefahrenem Akku durchgeführt. Bei meinem Gerät war in der Voreinstellung das dauerhaft aktivierte Display ausgeschaltet. Die Moto 360 schaltet dann nur bei Bedarf das Display ein. Als Bedarf gilt z. B. eine neue Benachrichtigung, eine Berührung des Displays oder die „auf die Uhr schauen“-Bewegung. Dieser Modus konnte mich bis jetzt im täglichen Betrieb überzeugen. Zu dieser energiesparenden Einstellung kommt noch das Anfang Oktober ausgelieferte Performance-Update für die Moto 360. Dieses Update sorgte laut einigen Berichten schon fast zu einer Verdopplung der Laufzeit. Pauschal kann ich sagen: Ich wünschte der Akku meines Nexus 4 würde annähernd so lange halten wie der Akku der Moto 360.

An einem normalen Arbeitstag verlässt die Moto 360 vor 07:00 Uhr ihre schicke Qi-Ladestation und kehrt gegen 23:00 Uhr wieder darauf zurück. Dies geschieht meist noch mit 40% bis 50% Ladung. Es gibt somit noch genug Laufzeit für einen Ausflug am Freitagabend.

Sollte es dann doch mal knapp werden mit dem Akkustand, kann man die Moto 360 auf jeder beliebigen Qi-Ladestation aufladen. Hier würde ich den „kleinen“ Akku sogar als Vorteil sehen, denn der ist innerhalb kürzester Zeit wieder genügend aufgeladen um den nächsten Tag in Angriff zu nehmen.

Watchfaces – dein eigenes Ziffernblatt

Durch die Android Wear Community wurde die App „Facer“ bereits mit vielen Watchfaces ausgestattet. Hier sollte für jeden Individualisten etwas dabei sein und wenn nicht kann man sich etwas neues erstellen. Mir gefällt das „Orbit“-Watchface am besten. Dieses wird zusammen mit sechs weiteren bereits von Motorola mitgeliefert und lässt sich mit der dazugehörigen App „Motorola Connect“ noch etwas anpassen.

Bedienung – Wie lasse ich die Moto 360 etwas tun?

Die Bedienung erfolgt über zwei Wege. Ist das Display aktiv kann man mittels „Ok Google“ die Spracherkennung aktivieren und weitere Befehle geben, oder über das Wischen auf dem Display die einzelnen Punkte anwählen. Gewisse Aktionen erfordern eine Interaktion über den Touchscreen, beispielsweise das Ändern der Einstellungen oder das Reagieren auf Benachrichtigungen. Die Eingabe von Texten erfolgt nur über die Spracherkennung, da die Moto 360 keine eigene Tastatur besitzt. Hier kommt schnell das „Knight Rider“-Gefühl auf.

Auf dem Smartphone kann man in der App „Android Wear“ einstellen, welche Apps auf die jeweiligen Sprachbefehle reagieren sollen. Nutzt man z. B. Endomondo um seine sportlichen Aktivitäten zu tracken, so kann man diese App für die Befehle „Lauf starten“, „Radtour starten“ und „Training starten“ einstellen. Auf der Uhr bekommt man die üblichen Informationen während des Trainings angezeigt. Die ermittelten Daten von Smartphone (z. B. GPS) und Uhr (z. B. Puls) werden von der App zusammengetragen. Für den Befehl „Notiz erstellen“ kann man z. B. Google Keep hinterlegen und dann mit dem Befehl „Notiz erstellen Kaffeemaschine reinigen“ die neue Notiz anlegen.

Was man bei Android Wear jedoch vermisst ist ein simpler Launcher, also eine Übersicht über die verfügbaren Anwendungen. Man erreicht so etwas zwar über den Befehl „Starten“, jedoch ist dies in der Praxis eher umständlich. Alternativ kann man die fehlende Funktionalität mit der App „Wear Mini Launcher“ nachrüsten. Danach lässt sich durch einen Wisch von Links ein Launcher öffnen. Ein weiterer Wisch von Links zeigt den Akkustand von Uhr und Smartphone an und bietet Funktionen wie das Klingeln des Telefons.

Möchte man keine Benachrichtigungen erhalten, so kann man die Moto 360 mit einem Wisch von Oben nach Unten in den „Lautlos Modus“ schalten. Damit werden Vibration und Benachrichtigungen ausgeschaltet. Ein erneutes Ausführen dieser Geste schaltet den Modus wieder aus.

Es gibt noch ein kleines Bauteil an der Seite: Eine Taste. Irgendwie gehört sie dazu damit die Moto 360 auch wie eine Uhr aussieht. Bei der alltäglichen Bedienung spielt sie jedoch keine Rolle mehr. Man schaltet die Uhr damit ein und kann über einen längeren Druck direkt in die Einstellungen gelangen.

Apps Apps Apps – Brauche ich für alles eine App?

Es gibt spezielle Apps für Android Wear, welchen nun auch eine separate Kategorie im Play Store gewidmet wurde. Die Anzahl ist noch überschaubar, sollte aber mit der Zeit noch wachsen. Interessanter als die speziell für Android Wear erstellten Apps sind jedoch die bereits vorhandenen. Durch eine klevere Verbindung von Smartphone und Uhr hat Google bereits für viele Apps die Arbeit übernommen: Notifications werden automatisch auf die Uhr übertragen. Dies hat den Vorteil, dass alle Apps die bisher schon eine Benachrichtigung senden konnten nun auch ihre Benachrichtigung auf Android Wear anzeigen können. An dieser Stelle sei gesagt: Man kann auch eine Blacklist in der Android Wear App erstellen. Bietet eine App etwas mehr als nur eine einfache Benachrichtigung, z.B. die Steuerung eines Players aus dem Lockscreen heraus, so ist dies auch von der Uhr aus möglich.

Als weiteres Beispiel ziehe ich einfach WhatsApp und den Facebook-Messenger heran. Diese Apps haben ihre Benachrichtigungen schon um „Android Wear“-Funktionalitäten erweitert. So ist es nicht nur möglich die erhaltene Nachricht auf der Moto 360 zu lesen, sondern auch per Sprache darauf zu antworten. Diese Anpassung ist für Programmierer ohne größeren Aufwand möglich, weshalb davon auszugehen ist, dass immer mehr Apps solche Funktionen unterstützen werden.

Fazit – meine Empfehlung

Meine Kriterien für eine Smartwatch waren:

  • Der Akku muss einen Arbeitstag und den dazugehörigen Abend halten.
  • Als Betriebssystem muss Android Wear zum Einsatz kommen.
  • Sie muss rund sein.

Ich kann sagen, dass meine Erwartungen erfüllt wurden und darüber hinaus sich noch mehr Vorteile ergeben haben:

  • Mein Spamfilter wurde strenger eingestellt damit meine E-Mail App mich besser benachrichtigt.
  • Man lässt das Smartphone öfter in der Tasche weil Uhrzeit und Benachrichtigungen nun am Handgelenk ablesbar sind.
  • Schrittzähler und Pulssensor motivieren zu mehr Bewegung.
  • Man berücksichtigt beim Entwickeln nun auch Android Wear Geräte 😉