Freifunk – mein Einstieg

Nachdem ich an diversen Stellen bereits von Freifunk hörte und auch mehrmals von meinem Arbeitskollegen über die Inbetriebnahme seines Knotens unterrichtet wurde, konnte ich mich dem Thema nun endlich selbst annehmen.

Der EinstiegHier_freies_WLAN_Freifunk_saar.freifunk.net

Der Einstieg ist so einfach, dass er keiner großen Erklärung bedarf. Einfach einen günstigen und kompatiblen Router kaufen (Liste Freifunk Saar), die angepasste Firmware aufspielen und nach der Konfiguration einen Neustart durchführen. In meinem Fall war dies ein TP-Link TL-WR841N/ND v10, welcher für nur 15€ im Onlineversand zu haben war. Die Firmware war schnell von der Freifunk-Seite geladen und dank der einfachen Anleitung auch in Sekunden eingespielt. Die Konfiguration ist ebenso schnell erledigt, denn selbst mit Defaultwerten kann man den Router bereits ins Freifunknetz betreiben. Damit man den Knoten z.B. im auf der Karte sehen kann, sollte man die Grundeinstellungen anpassen. Hier genügt es einen Namen zu vergeben und den Standort als Koordinaten einzutragen. Nach einem Neustart stöpselt man den Router über das WAN-Interface ins eigene Netzwerk (mit DHCP, sollte bei den meisten der Fall sein) und in wenigen Minuten erscheint ein neuer Knoten auf der Freifunk-Karte.

Der Fortschritt

Durch den flotten Einstieg in das Thema hatte ich natürlich Lust auf mehr bekommen. Nach dem ich meine gemachten Erfahrungen auf der Arbeit kund tat, wurde ich vom selben Kollegen auf „Hacksaar“ hingewiesen. Natürlich fand man schnell die nötigen Informationen im Internet. „Tag der offenen Tür“ ist jeden Mittwochabend ab 19 Uhr. Wenige Tage später fand ich mich auch schon im Hackerspace wieder und war begeistert. Praktischer Weise laufen hier auch die Fäden von Freifunk-Saar zusammen und ich bekam weit mehr Einblick als ich mir erhoffte. Schnell fand man Gesprächsthemen und tauschte sich unter anderem über die Internetversorgung von Flüchtlingen aus. Ein Thema, bei dem nicht nur die saarländische Freifunk-Gemeinschaft aktiv ist. Da ich in Schiffweiler auch syrische Nachbarn habe, war mein nächstes Projekt auch schnell klar.

Der nächste Schritt

Für mich stand fest: meine Nachbarn sollen die Möglichkeit bekommen über Freifunk auf das Internet zuzugreifen. Einige Tage später saß ich dann auch schon bei ihnen und erklärte in einer Mischung aus Englisch und etwas Deutsch was Freifunk ist und im groben wie die Technik dahinter aufgebaut ist. Mit großer Begeisterung und auch Vorfreude wurden alle Informationen aufgesogen. Nach einem kurzen Test war schnell klar, dass das Signal meines bereits vorhandenen Knotens nicht für eine zuverlässige Versorgung ausreicht. Es musste also ein Mesh-Netzwerk aufgebaut werden. Ein Mesh, das ist eine Verbindung zwischen mehreren Netzwerkteilnehmern um z.B. das Freifunksignal in die Welt zu tragen. In meinem Fall über einen zweiten Router in der Wohnung meiner Nachbarn. „Nachbarn“, das bedeutet in diesem Fall einmal quer über die Straße, ca 30m Luftlinie zwischen den beiden Geräten. Durch die Freifunk-Firmware wird dies einem mehr als einfach gemacht: Den zweiten Router konfigurieren, aufstellen und loslegen. Da der schnelle Paketdienst nicht schnell genug gewesen wäre (immer diese Wochenenden), wurde Sonntagnachmittags noch schnell im Hackspace vorbeigeschaut und einen Router organisiert. Dieser war bereits mit der Freifunk-Firmware ausgestattet und wurde nur noch von mir konfiguriert. Nach einem kurzen Testlauf in meiner Wohnung ging es auch schon zu meinen Nachbarn. Der Router war schneller aufgebaut und verbunden als der angebotene Schwarztee ziehen musste. Nach wenigen Minuten waren mehrere Geräte online und man konnte sich bei einer Tasse Tee über alles andere unterhalten. Die Lage in Syrien, der Weg nach Schiffweiler, der Kontakt zum Rest der Familie, die Freundlichkeit der anderen Nachbarn und die Schritte der Integration. Das ging bereits halbwegs gut auf Deutsch, mein Nachbar besucht auch seit einigen Tagen einen Sprachkurs in Neunkirchen. Ein Wort Arabisch habe ich an diesem Tag auch gelernt: „šukran“, Danke.