Elektroauto – eine spannende Angelegenheit

Grundlegende Gedanken zum Elektroauto

Elektroautos haben leider noch immer Seltenheitswert auf unseren Straßen. Die vergleichsweise kurze Reichweite und der höhere Anschaffungspreis dürfte derzeit noch viele von einem Wechsel abschrecken. Wobei das Reichweiten-Argument meist eher auf die eingefahrenen Erwartungen zurückzuführen ist. Ich ziehe für den Vergleich einfach mal die Entwicklung vom einfachen Handy zum modernen Smartphone heran. Früher lud man den Akku einmal in der Woche auf und konnte in dieser Zeit telefonieren und SMS schreiben ohne jedem einzelnen Prozent in der Akkuanzeige nachzutrauern, wenn es denn überhaupt so genau angezeigt wurde. Heute hingegen ist es ein allabendliches Ritual wenn man Smartphone, Tablet und Smartwatch mit dem häuslichen Stromnetz verbindet. Für viele genügt es, wenn der Akku einen Tag durchhält und sie dafür über den Tag verteilt viele mehr Aufgaben mit dem elektronischen Begleiter erledigen können als nur zu telefonieren und ein paar SMS zu schreiben. Einen ähnlichen Wandel kann man nun auch bei den Automobilen erkennen.

Kurz überschlagen pendle ich am Tag insgesamt 32km zwischen Arbeit und Zuhause. Kommt noch ein Einkauf hinzu, so liegt dieser meist sogar auf dem Weg oder lässt sich mit einem kurzen Umweg erledigen. Mein täglicher Bedarf dürfte unter 40km liegen. Plant man noch einen Besuch z.B. im schwedischen Möbelhaus, was wohl das am weitesten von meinem Wohnort entfernte und häufiger besuchte Geschäft sein dürfte, so kommen für Hin- und Rückweg zusammen nochmal 80km dazu. Ich wäre also mit einer Reichweite von 120km bereits ausreichend versorgt. Abends wird dann einfach das Ladekabel eingesteckt, wie es bereits bei Smartphone und Co. gang und gäbe ist.

Werden Elektroautos vom Markt angenommen?

Um die Entwicklung auf dem PKW-Markt etwas zu überblicken habe ich mir die bisherigen PKW-Neuzulassungen des Kraftfahrt-Bundesamts aus 2015 angeschaut. Mich interessierte der Anteil der reinen Elektroautos, also ohne Plug-In-Hybrid-Lösungen, und wie sich dieser Entwickelt.

Monat PKW-Neuzulassungen gesamt davon Elektroautos Anteil
Januar 211.337 659 0,31%
Februar 223.254 436 0,20%
März 323.039 1.278 0,40%
April 291.395 684 0,23%
Mai 256.385 574 0,22%
Juni 313.539 1.032 0,33%
Juli 290.196 962 0,33%
August 226.314 831 0,37%
September 272.479 929 0,34%

Quelle: Pressemitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamts

Die angeboten Autos scheinen vom Markt angenommen zu werden, wenn auch nur in einem kleinen Anteil, dafür jedoch kontinuierlich. Ein schnelles Wachstum ist leider nicht direkt zu erkennen. Stellt man jedoch eine Hochrechnung für 2015 an und vergleicht diese mit 2014, so lässt sich der Aufwind besser erkennen. Die Zulassungen von Elektroautos steigen schneller an, als die Zulassungen insgesamt.

Jahr PKW-Neuzulassungen davon Elektroautos Steigerung Gesamt Steigerung Elektro
2014 3040000 8522
2015 3210584 9847 5,61% 15,54%

Quelle: Pressemitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamts

Es werden demnach in Zukunft immer mehr der leise dahergleitenden Gefährten auf unseren Straßen zu finden sein. Die Reichweiten dürften auch weiter steigen, was in manchen Fällen wahrscheinlich über ein einfaches Update über Nacht geschehen könnte. Hier kommen die Elektroautos dem anfänglichen Vergleich mit den Smartphones sehr nahe. Vielleicht verrichtet ja demnächst auch der „Mr. Fusion Home Energy Reactor“ sein Werk und wir können einfach den Hausmüll „tanken“. 😉

Probefahrt im BMW i3

Ich durfte am Wochenende einen BMW i3 fahren, weshalb ich mir überhaupt erst diese Gedanken gemacht und niedergeschrieben habe. Nach dem Einsteigen sucht man zuerst nach den bekannten Elementen, findet von diesen allerdings nicht mehr all zu viele. Das Lenkrad ist vorhanden, hat zwar ein paar Tasten aber lässt sich noch wie vorher bedienen. Ein Hebel links davon ist unter anderem für den Blinker verantwortlich. So weit so gut, aber das war es auch schon. Bein Blick in den Fußraum vermisst man das Kupplungspedal, also erstmal Sendepause für den linken Fuß. Greift man zum Schaltknauf, so hält man auf einmal eine Wasserflasche in der Hand, dank Flaschenhalter lässt sich so ein guter Ersatz schaffen, denn man schaltet ja nicht mehr. Rechts am Lenkrad findet sich dann doch noch ein Hebel mit dem man zumindest angeben kann ob man vor- oder rückwärts fahren will. Die restlichen Spielereien wie den elektronischen Tacho, die elektrische Handbremse oder das Entertainment-System kann man auch in den „alten“ Autos „von früher“ finden.

Nach einer kurzen Einweisung ging es dann ans Eingemachte. Auf die Bremse treten, den Start-Knopf drücken und sich über einen angenehmen Benachrichtigungston freuen. Die bekannten Geräusche von Anlasser und Motor fehlen genauso wie die Vibrationen. Manche werden es vielleicht vermissen, aber auf mich machte es einen sehr angenehmen Eindruck. Mit einer behutsamen Berührung am Gaspedal glitt ich los in den Straßenverkehr und am ersten Kreisel erlebte ich schon die nächste Überraschung. Geht man vom Gas wird über Rekuperation Energie gewonnen. Man hat also erstmal eine stärkeres Abbremsen als bei der vom herkömmlichen Auto bekannten Motorbremse, was sich aber bei der weiteren Fahrt als sehr angenehm erwiesen hat. Gerade im Stadtverkehr wurde in einigen Situationen die Nutzung des Bremspedals komplett vermieden. Jedoch gänzlich ohne Bremspedal bin ich nicht ausgekommen, denn der Elektromotor kann auch sehr sportlich beschleunigen. Dies verringert zwar den Ladestand schneller, treibt dafür aber den Spaßfaktor sehr schnell in die Höhe. Bei nur 1390 kg Leergewicht (Model mit Range Extender) treiben die 125 kW (170 PS) den kleinen i3 sehr schnell auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Beim rückwärts Einparken an einer Stromtankstelle wurde der rechte Seitenspiegel automatisch so verstellt, dass ich bis zur Bordsteinkante neben mir alles im Blick hatte. Das war nur eines der vielen Details an die Gedacht wurde (so etwas könnte z.B. auch irgendwann per Update kommen). Die Fahrt hat mir insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn man beim Umsteigen in den Benziner doch etwas neidisch ist.

Warum ich noch mit Benzin fahre

Nach all den guten Worten will ich natürlich nicht verschweigen, warum ich nicht direkt zum nächsten BMW-Händler gegangen bin. Ich fahre derzeit einen Kombi und bin sehr froh über den riesigen Kofferraum. Ob Hundebox, Bierbänke oder Ikea-Einkäufe, bisher hat noch alles Platz gefunden und konnte ohne Probleme transportiert werden. Ich werde also noch warten bis in den Elektroautos mehr Stauraum geboten wird, wie es beispielsweise im neu vorgestellten Model X von Tesla sein wird. Hier kommt allerdings das nächste Manko, der Anschaffungspreis. Dieser liegt beim BMW i3 ohne Range Extender bei ca. 35.000€. Dafür bekommt man bereits einen sparsamen Diesel und kann noch öfter tanken. Bis man die Mehrkosten wieder eingefahren hat dauert es. Je mehr man fährt, umso mehr spart man, aber kauft man sich ein solches Auto nicht auch deswegen, weil man nicht so viel fährt?